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| Das Narrengericht zu Kempenich
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Alle zwei Jahre, nämlich dann
wenn kein Karnevalszug in Kempenich geht,
halten die "Daller Spatzen"
Gericht in Kempenich.
Die
"Daller Spatzen" sind zwar kein Verein, dennoch eine
eingeschworene Truppe, die ihre Anfänge ebenfalls im Karneval hat.
Bereits am Rosenmontag 1929 tagte erstmals das legendäre
"Fastelowendsgericht", abgeleitet vom mittelalterlichen Kempenicher
Gericht, das von den Narren auf ihre Art nachgestellt wurde. Schon
damals gehörten Richter, Beisitzer, Rechtsanwälte und Gerichtsdiener
zum närrischen Tribunal.
Es steckt eine Menge Arbeit dahinter, die "Schandtaten" und
"Verbrechen" im Ort zu sammeln, festzuhalten und dann so aufzubereiten,
dass sie auch "gerichtsfest" sind.
Dass dies den "Daller Spatzen" immer wieder gelingt, zeigt die
einhellige Zustimmung und Begeisterung der anwesenden Zuhörer,
aber auch der Delinquenten.
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Morgens
am Gerichtstag, wenn sich wohlsituierte Kempenicher Bürger noch
schlaftrunken die Augen reiben, stehen dann die Stadtsoldaten mit vom
Gericht ausgefülltem Haftbefehl vor der Tür und werden bis vor das
Narrengericht geleitet. In Deustesch Dieters
kleinem
Gerichtssälchen stehen sich derweil schon zahllose Schaulustige die
Beine in den Bauch, um mit dabei zu sein, wenn als rechtschaffen
bekannte Dorfgrößen, aber auch ehrenwerte auswärtige Honorationen vor
dem Hohen Gericht erscheinen und zumeist in Büßermiene den närrischen
Prozess über sich ergehen lassen müssen.
Betroffen sind of alte
Bekannte, die üblichen Verdächtigen und unbelehrbare
Wiederholungstäter.
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Das
Gericht besteht aus Verteidiger, Staatsanwalt
und Richter.
Bereits
am Rosenmontag 1929 tagte erstmals das legendäre "Fastelowendsgericht",
abgeleitet vom mittelalterlichen Kempenicher Gericht, das von den
Narren auf ihre Art nachgestellt wurde. Schon damals gehörten Richter,
Beisitzer, Rechtsanwälte und Gerichtsdiener zum närrischen Tribunal.
Landwirte wurden wegen zu später Kartoffelernte oder wegen eines zu
hohen Misthaufens verurteilt. Mit einer Strafe belegt wurde auch jener
Bürger, der beim Versuch, einen Nagel in die Wand zu schlagen, die
Wasserleitung getroffen hatte.
Die
Anklagepunkte haben sich Laufe der Zeit verändert. Heutzutage werden
Hochstapler, Verkehrsrowdys, Glücksspieler und Paparazzi vor den Kadi
geschleppt. Früher richteten sich die Strafen danach, wie vermögend der
Beschuldigte war. In einem Nachttopf wurden die Strafgelder gesammelt.
Neuerdings entwickeln die Daller Spatzen viel Phantasie, damit die
Zuschauer auf ihre
Kosten kommen.
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Die Daller Spatzen:
Ferdi Caspers, Rudi Meid,
Jochen Seifert, Karl-Heinz
Sundheimer, Norbert Bell,
Winfried Schmitz |
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| Musikalisch vortrefflich
begleitet wird die Aktion i.d. R. von Johannes Solluch, Ralf Reichelt
und Marcel Dietzler.
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| Gericht 2007
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2007 wurde
sogar ein Haftbefehl für ein ganz "hohes Tier" aus der
Kreisstadt ausgestellt: Zur Überraschung der Anwesenden wurde Landrat
Jürgen
Pföhler verhaftet und von Gerichtsdiener Ferdi Caspers ins Kittchen
gesperrt - ein Bretterverschlag in einer Ecke des Gastraumes, der als
Gefängnis dient. Dort musste er erstmals ohne Brot, aber mit Wasser auf
seine Verhandlung warten.
Vielmöhnerei lautete unter anderem die Anklage gegen der Kreischef, der
von Richter Norbert Bell und Staatsanwalt Rudi Meid als ein "ganz
dicker Fisch" bezeichnet wurde. Ihm wurde nachgesagt, dass ihn die
Mitarbeiter der Kreisverwaltung nur noch per Foto in der Zeitung zu
sehen bekämen. Ein V-Mann soll herausgefunden haben, dass der Übeltäter
zu Hause in kurzen Beinkleidern herumliefe, seine Frau indes die langen
Hosen anhabe. "Bei Maskenbällen erscheint er gerne im Napoleonkostüm",
so der Staatsanwalt. Insider behaupten, Pföhler wolle sogar das
Hinterteil des Amtsschimmels vor dem Kreishaus mit Solarzellen
bekleben, damit das Pferd endlich mal wiehert.
Winfried Schmitz, als Verteidiger immer für eine Pointe und
Überraschung gut, legte ein gutes Wort für seinen Klienten ein. "Der
treibt sich nicht als Napoleon verkleidet herum, der ist Napoleon. Und
als solcher will er am 6. Mai bei der Landratswahl kein Waterloo
erleben." Und auch in Sachen Vielmöhnerei hatte der listige Schmitze
eine Erklärung parat: "Der muss acht Jahre weiter regieren, denn die
Möhnen sind schon zu alt, die können sich nicht mehr umgewöhnen."
Dank dieses einleuchtenden Plädoyers kam Pföhler mit einer
empfindlichen Geldstrafe und einem doppelten Schnapps davon. Vorher
jedoch musste er jedoch noch das Tanzbein schwingen - mal mit der
"schwarzen" Uschi (Radermacher), mal mit der wegen seelischer
Grausamkeit angeklagten Petra Pung. Die Architektin hatte es doch
fertig gebracht, eine mit Schnaps gefüllte Flasche einbetonieren zu
lassen.
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Die "Daller Spatzen"
pflegen an Karneval eine alte Tradition -
Niemand kann sicher sein, dem närrischen Gericht zu enkommen, nicht
einmal ein Landrat, der wegen "Vielmöhnerei" angeklagt wurde.
Sichtlich
erleichert war dieser, als er dank seines
Verteidigers Winfried Schmitz (rechts stehend) noch glimpflich davon
kam. |
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| Zur
Wiedergutmachung musste der Landrat das Tanzbein schwingen, was ihm
und seiner Partnerin Uschi Radermacher sichtlich Vergnügen bereitete. |
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Dank
eines von ihm selbst gezimmerten "Schabellchens" kann Rudi Mauer
jetzt problemlos die öffentlichen Aushänge in der Bekanntsmachungstafel
lesen.
Die Glosse um das närrische
Geschehen beim
Karnevalsgericht 2007 stammt von Hans-Josef Schneider.
Weitere
Impressionen vom Karnevalsgericht 2007 (Fotos: Klaus
Müller):
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| Bruno
Jaeger
wurde wegen illegaler Mitgliederwerbung angeklagt. Die Volksbank hatte
bei einem Kundenanschreiben den Namen von Kater Max der Familie Dieter
und Ingrid Schäfer erwischt. Im Hintergrund wartet Engelns
Ortsvorsteherin Leni
Caspers auf ihre Verhandlung wegen Obrigkeitsbeleidigung. |
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| Gericht
2011
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2011 wurden die Daller
Spatzen von der Kempenicher Gruppe "die
acht Voyeure" überrascht:
Der Karlsruher
„Bundesgerichtshof“ ließ das
Kempenicher Gericht vor
Sitzungsbeginn
wegen „Amtsanmaßung“
verhaften!
www.acht-voyeure.de
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Kurz
darauf landeten einige der "Bundesrichter" selbst auf der Anklagebank:
unter anderem wegen Verunstaltung des Kempenicher Wappens:
Aus der Sonne wurde ein Mond. Wie man dann auch noch auf die Idee kam,
dem Bauern eine Bierflasche in die Hand zu drücken, bleibt der Fantasie
des Lesers überlassen.
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Der Ortsbürgermeister
Stefan Friedsam musste
daran glauben, weil er beim Vermieten des
Bahnhofs den Termin für den Weihnachtsmarkt
verschwitzt hatte und dieser dann verschoben
werden musste... |
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| Jutta Bell musste zur
Strafe auf der Leiter
ein Lied singen, weil
sie ihren Ehegatten
wegen eines
Lachanfalls am
kirchlichen
Adventskranz in
4 Meter Höhe
baumeln ließ, anstatt
die umgefallene
Leiter wieder
aufzustellen. |
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ausführlicher Bericht aus der Olbrück-Rundschau vom 09.03.2011
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| Bericht auf www.gkkg.de
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Hinweis: Die Gemeinde ist für externe Links nicht verantwortlich
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